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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.18

Clara Tempel bringt die Jugend auf die Straße

Text: Hanna Gieffers

Wegweiserin: Clara Tempel
Als Zwölfjährige saß Clara Tempel auf einer Straße bei Gorleben; es regnete, aber sie war glücklich. Ihre Eltern hatten ihr endlich erlaubt, zusammen mit ihnen und anderen Mitstreitern die Castor-Transporte zu blockieren. Mit zivilem Ungehorsam ist sie aufgewachsen, und noch in ihrer Schulzeit, im Jahr 2013, gründete sie „JunepA“, das Jugendnetzwerk für politische Aktionen: „Andere Gruppen wie die Jugendorganisationen von Greenpeace und dem BUND hatten mir einfach zu viele Regeln.“ Heute hat ihr Verein um die dreißig Mitglieder – deutschlandweit. Seine Ziele: keine Braunkohle, mehr Klimaschutz, keine Atomenergie und Atomwaffen mehr. Die Mittel: Demonstrationen und Sitzblockaden. Ihre Motivation sei ganz simpel, sagt die 22-Jährige selbst. „Schaue ich mir unseren Planeten an, habe ich Angst vor der Zukunft. Gegen dieses Gefühl der Ohnmacht möchte ich etwas tun.“

Zusammen mit rund 350 anderen Aktivisten hat sie zuletzt Anfang August die Zufahrten des Kohlekraftwerks Lippendorf südlich von Leipzig blockiert. In Workshops hatte sie vorher anderen Teilnehmern gezeigt, wie sie sich am besten kompakt zu Paketen zusammenkauern, um sich möglichst unbeschadet von der Polizei wegtragen zu lassen.

„Ich bin bereit, bei den Protesten eine Menge zu riskieren“, sagt Tempel. Sie wurde bereits vor Gericht für ihre Aktionen angeklagt und hat Polizeigewalt erlebt. „Dieses Risiko macht unsere Handlungen noch kraftvoller.“ Es gehe ihr darum, bewusst den juristischen Graubereich zwischen legalen Protestmitteln und zivilem Ungehorsam auszuloten. Damit Politiker hinsehen, zuhören und handeln.

Wie Veränderungsprozesse funktionieren und was soziale Bewegungen ausmachen, lernt Clara Tempel in ihrem „Studium Individuale“ an der Uni in Lüneburg. Einen Großteil ihrer Semesterferien nutzt sie, um Protestcamps vorzubereiten. Ihr Engagement hat sich ausgezahlt: 2017 ist „JunepA“ mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden. „Es tat gut, statt Gegenwind so einen starken Rückenwind zu spüren.“
junepa.blogsport.eu