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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Die Moorretterin

Wegweiser: Leonie Kulp, 34, setzt zum Wohl von Artenvielfalt und Weltklima Moorflächen unter Wasser
Zögernd ertastet Kulp mit ihrem linken Stiefel, wo sie auf dem nass federnden Moosboden ihren nächsten Schritt setzt. „Jeder Ausflug ins Moor ist ein Eintauchen in eine ursprüngliche und urtümliche Welt“, sagt die Naturschützerin der Biologischen Station in Osterholz-Scharmbeck (BioS) bei Bremen. „Das macht für mich den Reiz aus.“

Die mehrere Tausend Jahre alten Landschaften sind nicht nur Naherholungsgebiete. Sie sind Lebensraum seltener Vögel und Schmetterlinge, saugen wie ein Schwamm Regen auf und dienen mit ihren Torfschichten als Archiv der Naturgeschichte. Vor allem aber speichern sie Unmengen des Klimakillers Kohlendioxid.

Legen Torfstecher oder Landwirte die Moore trocken, wird es freigesetzt. Denn wenn der nasse Torf und die darin konservierten Pflanzenreste mit Sauerstoff in Kontakt kommen, werden sie von Mikroorganismen zersetzt und jahrtausendelang eingeschlossenes CO2 entweicht. Mit jährlich 45 Millionen Tonnen hat Deutschland EU-weit den höchsten moorbedingten Treibhausgasausstoß: Er macht, was kaum jemand weiß, erstaunliche fünf Prozent aller Emissionen aus. „Moorschutz ist immer auch Klimaschutz“, sagt Kulp.

Sie und die anderen Mitarbeiter der Biologischen Station arbeiten daran, trockengelegte Flächen in Niedersachsen durch Staudämme mit Regenwasser zu fluten. Das Moor soll so „wiederbelebt“ werden und die Torfschicht langsam, aber stetig wachsen – einen Millimeter pro Jahr. Die Moorschützer sensibilisieren deshalb Politiker, die Bevölkerung vor Ort und Touristen für den Erhalt der noch intakten Flächen – mit Programmen wie „Wege ins Moor“, Lobbyarbeit, Entdeckungstouren für Grundschüler, Wanderungen und Radtouren. „Moore sind die Nieren der Natur“, sagt Leonie Kulp. „Sie sind lebensnotwendig.“
biologische-station-osterholz.de