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Greenpeace Magazin - Geht doch: Autoaggression ist heilbar

Autoaggression ist heilbar

Madrid: Neue Regierung macht sich stark für Radfahrer

Jahrzehntelang galten sie in der spanischen Hauptstadt als ausgestorben, der motorisierte Straßenverkehr hatte ihre Lebensgrundlage nach und nach zerstört. Nun aber wurden die ersten Fahrräder wieder in freier madrilenischer Wildbahn gesehen – und es werden täglich mehr. Was ist geschehen? Die linksalternative Stadtregierung hat laut Süddeutscher Zeitung in den letzten Jahren einiges getan, um das verkehrsbiologische Gleichgewicht auf den Straßen wiederherzustellen: Breite Straßen bekamen einen knapperen Zuschnitt zugunsten von Radfahrstreifen, das Parkplatzangebot wurde verknappt und Hunderte Radarfallen blitzen nun Temposünder. Ergebnis: Autos fühlen sich innerhalb der Stadtgrenzen nicht mehr so wohl wie früher. Der überwiegende Teil der Bevölkerung begrüßt den massiven Umbau der Verkehrsinfrastruktur. Das, sagen Kommentatoren der Lokalpresse, habe auch damit zu tun, dass Autos gerade unter jungen Leuten im Zuge der langen Rezession an Bedeutung verloren haben. Eine Krise ist eben immer auch eine Chance.

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London I: Tot oder lebendig
Zwar wagen sich in der britischen Metropole längst nicht nur Teilzeitverrückte wie der ehemalige Außenminister Boris Johnson auf einen Sattel, ein gewisses Maß an Todesmut aber ist schon nötig. In keiner europäischen Hauptstadt kommen pro gefahrenem Kilometer mehr Radler ums Leben – gerade wurde ein langjähriger Leibarzt der Queen von einem Lastwagen erfasst. Da denken auch die traditionsbewussten Engländer um: Bis 2020 werden Assistenzsysteme für LKWs Pflicht, die den toten Winkel lebendig machen sollen.

London II: Electro first
Weil nicht alles verkehrstechnisch schlecht ist in der größten Stadt des Kontinents, bleiben wir noch kurz an der Themse: Dort gibt es bereits seit 15 Jahren eine Citymaut, die Autofahren zu einer besonders teuren Sache macht. Das ist zwar nicht sozial, aber dafür atmen alle bessere Luft. Nun verbannt London Verbrennungsmotoren aus bestimmten Teilen der City gleich ganz: 2019 wird eine Hauptstraße testweise nur für Elektroautos befahrbar sein.

Chemnitz: Nu basst ma uff!
Ja, Chemnitz! Politik und Verkehrsbetriebe wollen den Verzicht aufs Auto attraktiver machen. „Wohnen leitet Mobilität“ heißt das Modellprojekt. Beispiele? Neue Tramzüge, die zwischen Straßen- und Eisenbahnschienen wechseln können, bringen auch Menschen aus dem Umland direkt ins Zentrum. Und Chemnitzer bekommen vom Verkehrsclub Deutschland eine Gratis-Beratung, wie sie autofrei leben können – ganz ohne Abstriche bei der Lebensqualität.