Geht doch!

Greenpeace Magazin - Geht doch: Wohnst Du noch oder recycelst Du schon?

Wohnst Du noch oder recycelst Du schon?

Ob Toilettenpapier oder Gartenstuhl – zu Hause gibt es immer mehr Recyceltes. Fehlt nur noch das Haus selbst
 

Sie lesen richtig: In Marokko wurde neulich ein Strand gestohlen. Warum klaut jemand etwas, das es wie Sand am Meer gibt? Weil Bauunternehmer für industriell verarbeitbaren Sand derzeit eine Menge Geld zahlen. Der Bauboom hat viele Rohstoffe zu knappen Gütern gemacht, die oft rücksichtslos und auf Kosten der Umwelt herangeschafft werden. Dabei ist jedes Abrisshaus ein wahres Rohstofflager. Den Bauschutt muss man nur erst einmal aufarbeiten, denn er ist ein Gemisch verschiedenster Stoffe: Neben Zement und Stahl landen auch Holz, Teppich- und Tapetenreste im Container – Abrissbirnen fehlt da einfach das Fingerspitzengefühl. Vor allem die wertvollen mineralischen Feinstoffe waren bislang nicht recycelbar. Doch nun haben Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft den Forschungspreis der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ für ein Verfahren bekommen, mit dem selbst Kleinstteile sortiert werden können, die weniger als zwei Millimeter messen. Das funktioniert, vereinfacht ausgedrückt, so: Verbundwerkstoffe, etwa Brocken von Mauerwerk, werden per Stromschlag in ihre Bestandteile gespalten. Eine spezielle Kamera analysiert deren mineralische Zusammensetzung, anschließend wird der zerlegte Schutt maschinell sortiert. Hinterher sind Gips, Beton, Ziegel und Kalksandstein säuberlich getrennt und können weiterverarbeitet werden. Erste Firmen nutzen das „Baucycle“-Verfahren bereits versuchsweise.
 

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Wer eine Wohnung in der „Jenfelder Au“ bezieht, der bekommt sein Toilettenwasser nach der Spülung wieder zurück – in anderer Form. Der Neubaukomplex im Hamburger Osten, auf einem ehemaligen Kasernengelände errichtet, gewinnt aus seinem Abwasser Strom und Wärme. Das wissenschaftlich begleitete Projekt ist das größte seiner Art in Europa und hat sich zum Ziel gesetzt, ein Quartier komplett klimaneutral zu machen. So sind die Häuser zum Beispiel mit Vakuumtoiletten ausgestattet, die mit einem Liter Wasser pro Spülung auskommen. Durchschnitt sind sechs bis neun Liter.
 

Frühere Kasernengelände scheinen derzeit Karriere zu machen als Spielwiese für nachhaltige Bauprojekte. In München werden gerade große Teile der Bayern-Kaserne abgerissen, um Platz für neue Wohnungen zu schaffen. Der Bauschutt wird vor Ort recycelt und zum Teil für die Neubauten wiederverwendet. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern spart auch Geld: nach ersten Schätzungen rund zehn Millionen Euro.
 

In Duisburg plant die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gebag auf dem Gelände eines ehemaligen Kabelwerks ein besonders cleveres Projekt: Ab nächstem Jahr sollen hier 150 bis 200 Wohnungen entstehen. Der Clou dabei: Die bestehende technische und sanitäre Infrastruktur, etwa das Kanalsystem und der Fernwärmeanschluss, wird in Teilen erhalten und weitergenutzt. Das senkt sowohl Baukosten als auch Materialeinsatz erheblich.