Guten Abend,

noch einmal muss ich Ihnen mit Europa auf den Wecker fallen – zum letzten Mal (jedenfalls vorläufig, sag niemals nie). Täuscht das, oder sind wir in den letzten Wochen mit dem Thema geradezu bombardiert worden? Wenn ich mich recht entsinne, läpperte sich bei früheren EU-Wahlen die Zeit im Vorfeld irgendwie dahin, von Wahlkampf konnte nicht wirklich die Rede sein. Aber 2019 wird mobilisiert, was das Zeug hält, zumindest hierzulande.

Schon allein die Demos unter dem Motto „Ein Europa für alle“ am 19. Mai in sieben deutschen Großstädten: Ein breites Bündnis hatte dazu aufgerufen, Menschenrechts-, Umwelt- und Sozialverbände, Kirchen, Gewerkschaften, Stiftungen, Parteien, Kulturschaffende, der FC St. Pauli und „Omas gegen rechts“. Etwa 150.000 Menschen folgten dem Appell. Unterdes sendet das Fernsehen unermüdlich Duelle, Debatten und Dokumentationen zum Thema, das Radio wartet mit Europa-Features auf, Zeitungen liefern dicke Extrabeilagen, Unternehmen schalten ganzseitige Anzeigen. Von Europamüdigkeit keine Spur.

Man muss den Brexit-Briten, den Rechtspopulisten und Nationalisten aus verschiedenen Ländern geradezu dankbar sein, denn die neu erwachte oder wiederbelebte Liebe zu Europa verdankt sich sicher zumindest teilweise auch deren sonderbarem Wirken. Ja, Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene könnten transparenter ablaufen oder besser kommuniziert werden, überhaupt besteht einiger Reformbedarf, aber das ist noch lange kein Grund, den Le Pens, Salvinis und Meuthens und der grassierenden Desinformation das Feld zu überlassen.

Europa ist aber nicht nur Politik. Es war viele Jahre lang die Grundmelodie meines täglichen Lebens, privat und beruflich, ohne dass mir das immer bewusst gewesen wäre. Viele Szenen haben einen festen Platz in meiner Erinnerung: Reise nach Paris im Nachtzug, Croissant und Café au lait zum Frühstück. Eine im walisischen Fishguard lebende Dame aus Düsseldorf, die Mitleid mit zwei komplett durchnässten jungen Trampern hat und ihnen in ihrem Wohnzimmer ein Nachtlager bereitet. Vergnügte Stunden mit zwei Franzosen im sonnigen Stockholm, bevor die Fähre nach Finnland ablegt. Die grandiose Taperia in Madrid abseits der Touristenpfade, Geheimtipp des ortsansässigen Kollegen. Eine nächtliche Lektion in Square Dance auf dem Platz vor einem irischen Pub nach der Sperrstunde. Das wohlhabende Ehepaar auf der Kanalinsel Guernsey, dessen Großzügigkeit, Lässigkeit und Engagement man allen Reichen auf dem Planeten wünscht. Gutgelauntes Wortgefecht zwischen einem Flamen und einem Wallonen in Brüssel, ob die Straße nun „Vooruitgangsstraat“ oder „rue du progrès“ heißt (Straße des Fortschritts). Das Stimmengewirr von Leuten aus mindestens fünfzehn verschiedenen Ländern an einer langen Tafel im Garten eines ehemaligen Klosters im italienischen Celleno…

Und zwei Schweigeminuten auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol, denn das ganze Land hält am Abend des 4. Mai inne im Gedenken an seine Kriegstoten, Zivilisten und Soldaten, im Zweiten Weltkrieg und danach. Es lässt kaum jemanden kalt, wenn das ganze Alltagsgewusel zum Stillstand kommt und sich nichts und niemand mehr rührt. Plötzlich ist zu spüren, dass es einmal anders war, dass es wieder anders sein könnte auf schreckliche Art, so wie gerade jetzt an vielen Orten auf der Welt. Schon deshalb lohnt sich jeder Einsatz für Europa.

Wem das zu viel Pathos und Stille ist, bitte, wir haben ja auch den eher lauten ESC, den European Song Contest. Früher hieß er Grand Prix Eurovision de la Chanson, ein paar Länder entsandten eine Dame oder einen Herrn, es ging gesittet zu und wurde im Schwarzweißfernsehen übertragen. Längst sprengt der ESC mit viel Glitzer, Lichteffekten, Pyrotechnik und akrobatischen Tänzen die EU-Grenzen, von Albanien bis Zypern nehmen fast alle europäischen Länder teil – und ein paar nichteuropäische, darunter Australien. Na und? Wir sind schrill, bunt, leicht überkandidelt und rücken gern zusammen, damit alle reinpassen. Auch das ist Europa.

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Kerstin Eitner
Redakteurin

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