Guten Abend,

die digitale Welt dürfte nicht das Erste sein, was uns zum Thema Klimawandel einfällt. Heizen und Kühlen, Bauen und Shoppen, Fliegen und Fahren – dass all das mehr oder weniger gravierende Auswirkungen hat, leuchtet unmittelbar ein. Aber ein paar E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten verschicken, Filme oder Musik streamen? Es vollzieht sich scheinbar körperlos, ohne schwarze Abgase oder weiße Kondensstreifen. Doch das Treibhauspotenzial digital konsumierter Musik liegt heute um 30 bis 100 Prozent höher als 2010, haben Forscher der Universitäten Oslo und Glasgow herausgefunden. Streaming und Pornoplattformen allein, schätzt die französische Umweltinitiative „The Shift Project“, setzen so viel CO2 frei wie Belgien oder Bangladesch.

Die digitale Technik – also Herstellung und Betrieb von Rechenzentren und Mobilfunknetzen über Computer und Smartphone bis zum Fernseher – verursacht mittlerweile 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. 2013 waren es noch 2,5 Prozent, auch schon mehr als der gesamte Flugverkehr. Der Anstieg geht vor allem auf das Konto der explosionsartigen Verbreitung von Streaming- und Instant-Messenger-Diensten, denn jeder Klick verursacht Stromverbrauch. Wobei Konzerne wie Google und Apple darauf verweisen, dass ihre komplett mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben würden und auch Facebook ab 2020 klimaneutral arbeiten will.

Die Digitalisierung kann zwar auch helfen, Haushaltsgeräte, Fortbewegungsmittel, Stromnetze und industrielle Prozesse effizienter und dank Videokonferenzen Flugreisen überflüssig zu machen. Mails, E-Paper und digitale Ablagen sparen Papier und Wasser, auch wenn das papierlose Büro nach wie vor eine Illusion ist. (Außerdem hat das ehrwürdige Material aus Gutenbergs Zeiten je nach Qualität das Zeug, Jahrhunderte zu überdauern, digitale Trägermedien eher nicht.)

Leider verursacht die Google-Nutzung einer einzigen Person pro Jahr 3,6 Kilogramm Kohlendioxid, so viel wie 155 Kilometer Fahrt mit dem Fernbus. Jede Mail setzt ein Gramm CO2 frei, jede Whatsapp-Nachricht 0,2 Gramm. Klingt nicht exorbitant, aber je mehr Daten, desto mehr Datenverarbeitung. Hierzulande werden täglich immerhin rund eine Milliarde Mails verschickt, das läppert sich. Rechenzentren verbrauchen laut Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Deutschland im Jahr so viel Strom wie Hamburg mit Hafen und allem Drum und Dran. Der Kauf jedes neuen Smartphone-Modells, mangelndes Recyclingbewusstsein und die von Herstellerseite eingebaute Unmöglichkeit, kaputte Geräte zu reparieren, tragen auch nicht eben zur Ressourcenschonung bei. Vom Energieverbrauch künstlicher Intelligenzen ganz zu schweigen.

Aber es passiert was. Der TÜV Nord in Hannover hat vor vier Jahren seine Serverräume umgebaut und nutzt jetzt Freiluftkühlung. Resultat: Der Energieverbrauch halbierte sich, das spart rund 750 Tonnen CO2 und natürlich Kosten. Firmen planen, mit der Abwärme ihrer Zentren Wohnsiedlungen zu beheizen. Das Start-up Windcloud in Enge-Sande im schönen Nordfriesland will das erste CO2-neutrale Rechenzentrum überhaupt werden. Es nutzt ehemalige Nato-Bunker und, der Name ist Programm, vor allem die im Norden reichlich vorhandene Windenergie für den Betrieb und die Abwärme für Indoor-Farming und Algenzucht.

Und der moderne Mensch? Hält ein bisschen Digitaldiät. Die Deutsche Umwelthilfe rät, alte E-Mails zu löschen oder Fotos und Videos lokal etwa auf einer CD oder DVD zu speichern statt in einer Cloud. Daten gezielt verteilen statt nach dem Gießkannenprinzip oder das Streamen zeitlich begrenzen wäre ebenfalls hilfreich. Es muss ja auch nicht immer die neueste Smartphone-Version sein. Drei Viertel seiner CO2-Emissionen entstehen nämlich bei der Herstellung. Also länger nutzen oder ein gebrauchtes Gerät kaufen. Und wenn das gute Stück wirklich entsorgt werden muss, spenden Sie es.

Außer Klimaschutz gibt es durchaus noch andere gute Gründe für mehr Enthaltsamkeit in der Datenwelt, aber davon ein andermal. Einen Crashkurs in digitaler Selbstverteidigung bietet Digitalcourage an, jahreszeitlich passend in Gestalt eines Adventskalenders. Mehr Fitness in Selbstschutz und Freiheit, das ist doch eigentlich auch eine schöne Bescherung.

Kondensstreifen der Digitalisierung

Kerstin Eitner
Redakteurin

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