Guten Abend,

feine Sache, die Ampel. Hat sich im Straßenverkehr doch ziemlich gut bewährt. Schon kleine Kinder verstehen: Bei Rot muss ich stehen bleiben, bei Grün darf ich loslaufen. Und Gelb bedeutet „Aufpassen, es ändert sich was“.

Gut, die allererste Lichtsignalanlage der Welt, aufgestellt am 10. Dezember 1868 auf dem Londoner Parliament Square, war nicht so der Knaller – oder vielmehr doch, aber im negativen Sinne: Die mit Gaslicht betriebene Vorrichtung explodierte schon bald. Mit der Einführung des elektrischen Lichts begann der Siegeszug der Verkehrsampel; die erste stand ab 5. August 1914 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio und zeigte nur Rot und Grün. Mittlerweile ist sie in aller Welt verbreitet, ob stehend oder hängend, längs oder quer, mit oder ohne Blinklicht, mit animiertem Ampelmännchen wie in der Türkei, Ampelfrau wie in Zwickau oder hüpfendem Otto Waalkes wie in Emden.

Was auf der Straße so gut funktioniert (Rotlichtsünder lassen wir jetzt mal beiseite), könnte doch auch im Supermarkt klappen und uns beim Einkauf Orientierung bieten vor meterlangen Regalen mit Frühstücksflocken, Joghurtsorten und Tiefkühlpizza. Eine Ampelkennzeichnung könnte vor zu fett-, zucker- oder salzhaltigen Produkten warnen und für gesunde Lebensmittel grünes Licht geben.

Diese Lebensmittelampel gibt es bereits. Die nationale Gesundheitsbehörde Frankreichs hat im Auftrag der Nationalversammlung in Beratungen mit Fachleuten und in landesweiten Studien den sogenannten Nutri-Score entwickelt. Er erinnert an die Energieeffizienz-Kennzeichnung von Haushaltsgeräten. 2018 kamen die ersten damit gekennzeichneten Lebensmittel in den Handel. Dieses Jahr hat auch Belgien die Ampel eingeführt, Portugal, Spanien, Luxemburg und die Schweiz dürften folgen.

Und Deutschland? Hat in Julia Klöckner (CDU) eine Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung, die es sich keinesfalls mit den Lebensmittelherstellern verscherzen will. Die nämlich sehen ihre teils ungesunden Produkte schon zu Ladenhütern werden, wenn auf den Verpackungen zu viel Rot prangt. Trotzdem hat laut der Verbraucherorganisation Foodwatch das staatliche Max-Rubner-Institut (MRI) schon letzten Herbst im Auftrag des Ministeriums einen Bericht zum Nutri-Score vorgelegt, in dem es diesen „grundsätzlich vorteilhaft“ bewertet. Das Dokument hat allerdings nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt, sondern wurde erst ein halbes Jahr später in modifizierter Form präsentiert. Vergebens forderte Foodwatch die Herausgabe des Originalberichts nach dem Informationsfreiheitsgesetz und reichte Klage beim Verwaltungsgericht Köln ein.

Unterdessen hat die Ministerin wohl auch wegen des wachsenden öffentlichen Unmuts beschlossen, das Volk zu befragen – zur Verwunderung von Fachgesellschaften, die darauf verweisen, dass 35 Studien den Nutri-Score sozusagen zum „Goldstandard“ erklärt hätten. Egal, nun sollen 1600 Bürger und Bürgerinnen bis Ende September entscheiden, welches Label es denn sein soll.

Es stehen deren vier zur Auswahl. Neben dem Nutri-Score sind dies das schwedische Keyhole-Modell, ein grün-weißes Schlüssellochsymbol als Positivkennzeichnung, ferner ein von den Herstellern entwickeltes Tortendiagramm mit Prozentangaben für Nährstoffe und Energiegehalt im Verhältnis zur empfohlenen Tagesmenge für Erwachsene sowie ein eigens entworfenes vom MRI. Es heißt „Wegweiser Ernährung“, ist fächerförmig mit Feldern in verschiedenen Grüntönen, enthält Infos über Energiegehalt und Nährstoffen und arbeitet mit Sternen plus zunehmender Farbintensität als Bewertungssystem.

Reichlich kompliziert, fand die Mehrheit jener 1003 repräsentativ ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer gerade veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag von Foodwatch, dem Deutschen Diabetes Verband und anderen Fachverbänden. 69 Prozent gaben der Nutri-Score-Ampel den Vorzug vor dem „Wegweiser Ernährung“. Bei den Befragten mit formal niedrigem Bildungsstand und jenen mit starkem Übergewicht waren es sogar noch mehr.

Man darf also gespannt sein, ob sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der offiziellen Befragung des Ministeriums ganz anders entscheiden. Das könnte letztlich dazu führen, dass am Ende verschiedene Label nebeneinander existieren, denn freiwillig wird die Kennzeichnung auf jeden Fall bleiben. Einige Firmen – darunter Iglo und Danone – mochten nicht mehr warten und haben für ihre Produkte schon mal den Nutri-Score eingeführt, auch Nestlé plant es. Für unsereinen könnte das bedeuten: Es wird noch unübersichtlicher als bisher.

Kundschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs

Kerstin Eitner
Redakteurin

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