Ernährung25.Jun 2019

An alle Grillkönig*innen

An alle Grillkönig*innen

Mit dem Geschlechterklischee am Grill hat unsere Autorin schon mal in der Überschrift aufgeräumt. Wie Sie auch sonst zeitgemäß grillen – also ohne Tier und Umwelt zu schaden –, erklärt sie Ihnen gern.

Jaja, ich weiß schon: Einige Menschen empfinden grüne Grilltipps ähnlich anmaßend wie Vorschläge, das Autofahren durch Tempolimit, PS-Beschränkung und Elektroantrieb zu ökologisieren. Die Grillparty soll natürlich nicht von Gewissensbissen beeinträchtigt werden, deswegen schon mal vorweg: Wer will, darf sich Grillschürzen mit – witzigen? – Motiven und Sprüchen darauf anziehen („Schmeiß den Grill an, wir müssen Fett verbrennen!“) und das Grillgut effektvoll mit Bier ablöschen – wobei das zu schwarzen, krebserregenden Krusten auf dem Grillgut führen kann, aber hier soll es nicht um Ihre Gesundheit gehen. Und gerade, wenn auf Ihrer Schürze der markige Spruch „Bin am Grillen! Keine Tipps! Bier bringen! Abflug!“ stehen sollte und Sie geselliges Grillen sowieso für den Hauptzweck der Sommermonate halten, seien Ihnen diese Hinweise besonders ans Herz gelegt. Am Ende gibt‘s auch Bier, versprochen.

Drauf

Dass es besser für Tiere und Umwelt ist, wenn Sie vegetarisch grillen, dürfte niemanden mehr überraschen. Wissenschaftlich untermauert haben das vor einem Jahr zwei Forscher der Universität Oxford und des Zürcher Instituts Agroscope. Sie errechneten die Ökobilanzen der am häufigsten verzehrten Lebensmittel. Fazit: Eine pflanzliche Ernährung ist für Umwelt und Klima am besten. Wer sich mit Gemüsespießen, Käsepäckchen und Maiskolben nicht zufrieden geben möchte, der kann Fleischimitat auf den Rost legen. Da gibt es mittlerweile eine ansehnliche Auswahl aus den unterschiedlichsten Rohstoffen wie Lupinen, Ackerbohnen, Erbsen, Linsen, Hafer, Weizen, Hanf, Kleinen Wasserlinsen, Kartoffeln, Reis und Pressrückständen aus der Kürbis- und Sonnenblumenölgewinnung. Vielen von ihnen wird das Vitamin B12 zugesetzt, das sonst nur in tierischen Lebensmitteln enthalten und für den Menschen unentbehrlich ist. Leider werden ihnen aber oft auch eine ganze Menge anderer Zutaten beigemischt, wie Bindemittel, Aromen, Verdickungsmittel und zu viel Salz – dafür haben sie meist weniger Fett und gesättigte Fettsäuren, als das Fleisch, das sie nachbilden.

Apropos Fleisch nachbilden: Weltweit forschen zahlreiche Start-ups an Laborfleisch, also Fleisch, das niemals „gelebt“ hat, sondern in der Petrischale gewachsen ist. 2013 präsentierte die Universität Maastricht den ersten Biotech-Burger der Welt. Der enthielt allerdings noch Antibiotika und Kälberserum, das lebenden Kalbsembryonen mit einer Nadel aus dem Herz extrahiert werden muss. 2021 will „Mosa Meat“, wie sich das Start-up nennt, einen Burger auf den Markt bringen, der ohne die kritischen Stoffe auskommt. Milliardenschwere Investoren wie Bill Gates und Richard Branson sagen Laborfleisch eine goldene Zukunft voraus und selbst Fleischkonzerne wie Tyson Foods und PHW (Wiesenhof) investieren in die Kunstfleisch-Start-ups.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Fleischersatz echtem Fleisch den Rang abläuft, prophezeit die amerikanische Unternehmensberatung A.T. Kearney in einem neuen Report. Genauer gesagt 2040: Dann werde 60 Prozent des weltweit verzehrten Fleisches nicht mehr von geschlachteten Tieren stammen, sondern von Pflanzen oder aus dem Labor. Die Einschätzung fußt die Unternehmensberatung auf Experteninterviews.

Wer bis dahin nicht auf echtes Fleisch verzichten will, sollte auf das Bio-Siegel achten. Die besten Haltungsbedingungen versprechen die Siegel der Bio-Verbände, aber auch das EU-Siegel bedeutet etwa für Hühner mehr Platz, kleinere Gruppen, Tageslicht, Auslauf im Freien, mehr Zeit zum Wachsen und kürzere Fahrten zum Schlachthof.

Drunter

Dass ein Einweggrill die umweltfeindlichste Variante ist, sollte einleuchten. Den saubersten Grillspaß ermöglicht ein Solargrill, der das Grillgut ausschließlich mit Sonnenenergie röstet. Dafür muss die allerdings auch verlässlich scheinen, und ein bisschen länger als der herkömmliche Grill braucht die Solarvariante auch. Schneller und sauber ist hingegen der Elektrogrill – vorausgesetzt er wird mit Ökostrom betrieben.

Wer auf einen Kohlegrills nicht verzichten will – sei es aus geschmacklichen Gründen oder schlichtweg wegen der Style-Attitüde –, muss das auch nicht. Er sollte nur darauf achten, aus welcher Baumart die Holzkohle stammt und woher sie kommt. Auf den Verpackungen muss das leider nicht angegeben werden. Laut Recherchen des WWF werden mehr als 70 Prozent der in Deutschland verkauften Holzkohle importiert, oft findet sich darin weit gereistes Tropenholz etwa aus Paraguay oder Nigeria.

Besser ist es, gleich ganz auf Holzkohle zu verzichten und ökologische Alternativen wie Olivenkernbriketts, Weinreben oder Maisspindeln zu verfeuern. Die haben auch den Vorteil, dass sich mit ihrer Asche der Kompost anreichern lässt. Bei Holzkohle rät das Umweltbundesamt davon ab, weil die Schwermetalle aus der Luftverschmutzung, die die Bäume aufgenommen haben, durch die Asche in das selbst angebaute Obst und Gemüse gelangen würden.

Um das Feuer zu entfachen, sollten Sie keine konventionellen Grillanzünder benutzen, sie enthalten oft Unmengen an Chemie. Gute Alternativen gibt es aus Holzfasern und Wachs. Die kann man übrigens auch leicht selber basteln: Wachs im Wasserbad schmelzen, Sägespäne in die Ausbuchtungen eines Eierkartons füllen, das flüssige Wachs dazu gießen und, wenn es ausgehärtet ist, die Mulden auseinanderschneiden.

Dazu

Gerade vegetarisches Grillgut wird oft in Alufolie oder -schalen auf den Rost gelegt. Das ist nicht nur umweltschädlich, denn die Herstellung von Aluminium ist sehr energieintensiv – das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt auch davor, dass Aluminium das Essen belasten kann. Besser sind also wiederverwendbare Schalen oder solche aus natürlichen Materialien. Gut eignen sich auch Blätter von Kohl, Mais, Mangold, Wein oder Bananen.

Das Bier, mit dem Sie das Ganze dann zischend ablöschen, sollte auch aus biologischem Anbau stammen. Konventionelle Biere sind oft mit Glyphosat belastet. Das Umweltinstitut München hat vor drei Jahren die 14 beliebtesten Biersorten getestet und das Herbizid in allen von ihnen nachgewiesen. Es gefährdet nicht nur die ökologische Vielfalt in der Anbauregion des Hopfens, sondern auch die eigene Gesundheit und die der Bauern, denn Glyphosat gilt als krebserregend. Wer mit Bio-Bier anstößt, tut also der Umwelt und sich selbst einen Gefallen.

Svenja Beller

Aufmacherbild: picture alliance / prisma

Essen ohne Gewissensbisse: Wie kann das noch gehen? Genau dieser Frage sind wir in der aktuellen Ausgabe des Greenpeace Magazins nachgegangen. Bio etwa ist ein guter Anfang. Welche Unterschiede – und welche Gemeinsamkeiten – es zwischen Bio und Nicht-Bio gibt, wollen wir Ihnen in diesem Heft aufzeigen. Und wir fragen auch: Sind Veganer automatisch Besseresser? Ist jede „Milch“ aus Pflanzen gut für die Umwelt? Was darf man sich von Laborfleisch erhoffen? Lesen Sie mehr in der neuen Ausgabe des Greenpeace Magazins 4.19 „Neues Essen“. Diese erhalten Sie im Warenhaus, am Kiosk oder ab 32,50 Euro im Abo. Sie können das Greenpeace Magazin auch in unserer digitalen Version lesen: mit allen Inhalten der Print-Ausgabe, optimiert für Tablet und Smartphone. Viel Inspiration beim Schmökern, Schauen und Teilen!

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Neues Essen – 4.19
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