Guten Abend,

und liebe Hersteller von Öko-Textilien. Wir müssen reden. Nicht über die großen Fragen unserer Zeit, nur über ein paar lästige kleine Alltagsprobleme. Eins vorweg: Es ist wunderbar, dass sich immer mehr Anbieter für „grüne“ Mode oder Heimtextilien etablieren. Und das für alle Altersgruppen und Geschlechter, längst nicht mehr nur in Sack- oder Zeltform und Farben (?) wie Tarnoliv, Schlammgrau oder Hornhautumbra. Das Sortiment ist bunter, vielfältiger und tragbarer geworden, es gibt Kleidung für fast jeden Anlass, und sie ist auch keinesfalls unerschwinglich, schon gar nicht im Vergleich mit Designermode.

Erfreulich, dass die Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau und die Wolle von glücklichen Schafen stammt, dass Pflanzen zum Färben und Gerben verwendet werden und vieles mittlerweile sogar das Etikett „vegan“ trägt. Fair gehandelte Rohstoffe, eine anständige Bezahlung und soziale Mindeststandards für die Beschäftigten in der gesamten Produktionskette – bravo, weiter so.

Aber: Gutes Aussehen und gutes Gewissen sind das eine, Qualität ist das andere. Das Folgende ist zwar nicht empirisch gesichert, beruht aber auf eigenen Erfahrungen und solchen aus dem Freundinnenkreis. Bei Textilien und leider auch bei Anbietern von Ökomode greift in den letzten Jahren etwas um sich, das man eigentlich eher bei Billigheimern erwartet: ein schleichender Qualitätsverlust, eine gewisse Schlampigkeit, mal mehr, mal weniger.

Hier ein paar kleine Beispiele: Da verabschieden sich Knöpfe, ohne leise „servus“ zu sagen. Zwar werden bei vielen Kleidungsstücken Ersatzknöpfe mitgeliefert, meist innen an einem Label festgenäht (zu den Labels gleich mehr), aber blöd ist es trotzdem. Manchmal sind auch Knopflöcher zu groß; Nähte oder Säume gehen plötzlich auf wie von Geisterhand. Warnsignal ist meist ein Faden, der irgendwo heraushängt.

Noch schlimmer: diese kleinen Löcher, die leider dazu neigen, größer zu werden und offenbar durch bloßes An- und Ausziehen der Kleidung entstehen – zumindest bei Erwachsenen, die dabei gemeinhin nicht unnötig an den Klamotten herumzerren. Man könnte glatt auf die Idee kommen, es wäre an der Stoffqualität gespart worden. Ist der Schaden irreparabel und/oder deutlich sichtbar, bleibt nur noch die Entsorgung des guten Stücks (ich habe schon ein Vermögen für die kunstvolle Reparatur vor allem von Strickwaren investiert, aber das klappt nicht immer). Trennen muss man sich schweren Herzens auch von nach Anleitung gewaschenen und trotzdem eingelaufenen T-Shirts oder Hosen, zumindest, wenn man aus dem Alter für knallenge bauchfreie Oberteile mit Dreiviertelärmeln längst raus ist und in die Hochwasserhosen beim besten Willen nicht mehr reinkommt.

Den gern mal schiefen Nähten oder dicken Nahtwülsten, die sich beim Tragen abzeichnen, entgeht die gewitzte Kundschaft durch gründliche Prüfung vor dem Kauf; unvorhersehbar aber ist das Ausleiern, gewissermaßen das Gegenteil des Einlaufens, sowie das Verblassen von Farben in Rekordzeit. Bitte, könnten Ärmel ihre Länge, Farben ihren Ursprungston behalten und Löcher nicht durch normalen Gebrauch entstehen? Sollten Ökotextilien nicht besonders langlebig sein und dauerhaft schön bleiben, damit nicht ständig Neues gekauft wird, oder habe ich da was falsch verstanden?

Neulich besuchte ich eine Ausstellung, bei der unter anderem fünf Jahrzehnte alte Kleider präsentiert wurden – makellos. Man hätte sie sofort anziehen können. Ich würde nicht darauf wetten, dass das in fünfzig Jahren mit unserer heutigen Garderobe möglich ist.

Abschließend noch mal zu den Labels, diesen schrecklichen kratzigen Dingern, meist hinten an der Halsöffnung so bombenfest vernäht, dass alle Heraustrennversuche mit Löchern enden. Bitte ein für allemal ausrangieren! Manche Hersteller, auch konventionelle, drucken ihr Logo dezent von innen auf den Stoff. Kratzt nicht, trägt nicht auf. Zur Nachahmung empfohlen. Aber wie gesagt: innen, nicht außen!

So, liebe Leserinnen, liebe Leser, nach all dem Gemäkel freuen wir uns jetzt auf Ihre konstruktiven Vorschläge. Wir möchten nämlich gern von Ihnen wissen, was für Produkte Sie sich im Angebot unseres Shops wünschen. Schicken Sie uns eine Nachricht an warenhaus@greenpeace-magazin.de mit dem Betreff „Produktideen für das Warenhaus“. Ihre Mühe wird mit etwas Glück auch belohnt: Unter allen Einsendungen verlosen wir 3 Bienen-Sets.

Öko-Textilien: toll, aber... // Unsere Leseempfehlungen zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

PS: Bekommen die Fasern beim Anbau eine Giftdusche? Sind beim Färben und Ausrüsten schädliche Chemikalien im Spiel? Werden die Textilarbeiterinnen anständig behandelt und fair bezahlt? Diese Informationslücken schließt die fünfte Auflage unserer Textil-Fibel. Jetzt eine Woche 20 Prozent reduziert.

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