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Greta Thunberg scheint ein bemerkenswertes Mädchen zu sein. Die 15-jährige schwedische Schülerin protestiert auf den Stufen des schwedischen Parlaments für eine andere Klimapolitik – vor der Wahl am 9. September saß sie drei Wochen lang täglich dort, anstatt zur Schule zu gehen. Seit der Wahl ist sie nur noch freitags da. Ab und an kommen Abgeordnete heraus und unterhalten sich mit ihr.

Ihre prominenten Eltern, der Schauspieler Svante Thunberg und die Opernsängerin Malena Ernman, unterstützen den Protest ihrer Tochter trotz des dreiwöchigen Schulstreiks. Schon vor ihrem Einsatz für das Klima besaß Greta einen gewissen Bekanntheitsgrad, denn ihre Mutter hatte ein Buch über sie und ihre jüngere Schwester Beata geschrieben. Greta hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, Beata leidet an der Aufmerksamkeitsstörung ADHS.

Greta kann sich anders als ihre Schwester sehr ausdauernd auf eine einzige Sache konzentrieren und verfügt über ein fotografisches Gedächtnis. Schon mit neun Jahren begann sie über den Klimawandel zu recherchieren und war fassungslos, dass nicht überall ständig darüber gesprochen und entsprechend gehandelt wurde. Sie selbst hörte auf, Fleisch zu essen und ist seit 2015 nicht mehr geflogen (ihre Mutter tat es ihr ab 2016 nach und opferte dafür ihre internationale Opernkarriere). Die Familie hat daheim eine Solaranlage installiert, baut ihr eigenes Gemüse an und fährt fast ausschließlich mit dem Fahrrad. Nur in wirklich dringenden Fällen nehmen sie ihr Elektroauto.

Zumindest eins hat sich geändert: Die Schweden sprechen über den Klimawandel, nicht nur wegen Gretas Sit-in, sondern auch infolge des ungewöhnlich heißen Sommers und der zahlreichen Brände. Dass Schwedens Klimapolitik im Vergleich zu anderen Ländern fortschrittlich ist (das Land erhebt beispielsweise seit 1991 eine CO2-Steuer), lässt die Schülerin nicht gelten und verweist darauf, dass die Emissionen des Treibhausgases im ersten Vierteljahr 2018 um 3,6 Prozent gestiegen seien. Bei einem Klassenausflug in ein Museum, das eine Ausstellung zum Thema zeigte, war sie außer sich über einige falsche Zahlen.

Greta ist nicht allein mit ihrem Protest. Andere Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene leisten ihr hin und wieder Gesellschaft. Auch anderswo auf dem Planeten wurden diese Woche Zeichen fürs Klima gesetzt: Am Dienstag bestätigte das Zivilgericht in Den Haag in zweiter Instanz das Urteil von 2015 gegen die niederländische Regierung, das diese dazu verdonnert, höhere Klimaziele anzupeilen. Statt 17 Prozent weniger Emissionen bis Ende 2020 (ausgedrückt in CO2-Äquivalenten und gegenüber 1990 als Basisjahr) sollen es nun 25 Prozent sein.

Die Kläger – die Stiftung Urgenda und rund 900 Einzelpersonen – hätten sich zwar eine noch ehrgeizigere Zielmarke gewünscht, freuen sich aber trotzdem über das Urteil. Es dürfte den über 1000 Klimaklagen weltweit Auftrieb geben, ebenso wie der am Montag veröffentlichte neue Bericht des Weltklimarats IPCC, der beschreibt, wie unterschiedlich die Auswirkungen einer Erwärmung um 1,5 Grad gegenüber einem Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius ausfallen würden. Rechtsanwältin Roda Verheyen, die im Namen von zehn europäischen Familien Klage gegen die EU eingereicht hat, will die Erkenntnisse des UN-Berichts jedenfalls juristisch nutzen.

Wie passend, dass die diesjährigen Nobelpreise an die Ökonomen William D. Nordhaus und Paul M. Romer gehen, die Klima (Nordhaus) und technische Innovation (Romer) in Modelle über das Wirtschaftswachstum einbezogen haben. Man könnte nachgerade zu der Ansicht gelangen, dass sich trotz Erderwärmung all die Atmosphärenverschmutzer, Ignoranten und Entscheidungsträgen in Nord und Süd, Ost und West warm anziehen müssen.

Schulstreik fürs Klima // Unsere Leseempfehlungen zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

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