Guten Abend,

2019 könnte als das Jahr der „Klimakids“ in die Geschichte eingehen. Ein Jahr, in dem eine Sechzehnjährige den alternativen Nobelpreis und diverse andere Auszeichnungen bekommen hat und für den Friedensnobelpreis nominiert war. Reden vor dem Weltwirtschaftsforum, den Vereinten Nationen und dem Klimagipfel gehalten hat. Als bislang jüngster Mensch vom Time Magazine zur Person des Jahres gekürt wurde. Sich freuen darf, dass ein winziger Käfer nach ihr benannt wurde. Hass, Häme und Herablassung hauptsächlich von älteren Männern über sich ergehen lassen musste (wenn einen Jair Bolsonaro als „Göre“ bezeichnet, hat man was richtig gemacht). Zwei herbstliche Atlantiküberquerungen im Segelboot überstanden und dann die Heimreise nach Schweden in vollen Zügen genossen hat, in der Deutschen Bahn inmitten ihres Gepäcks auf dem Boden sitzend.  

Klar, es geht um Greta Thunberg. Auf ihren gar nicht vorwurfsvollen Tweet aus dem überfüllten Zug reagierte die Deutsche Bahn eingeschnappt und schwafelte was vom tollen Service in der Ersten Klasse, den die Schwedin genossen habe – wegen eines ausgefallenen Zuges außerplanmäßig allerdings erst ab Frankfurt, was den PR-Leuten leider entgangen war. Dafür erntete die Bahn erstens reichlich Spott und hat nun zweitens wegen des fragwürdigen Umgangs mit „personenbezogenen Reisedaten“ die Berliner Datenschutzbeauftragte an den Hacken. Dabei ist Bahnfahren im Grunde toll (Thunberg selbst betonte später, überfüllte Züge seien doch ein gutes Zeichen), nur tut die DB eben viel dafür, dass das keiner merkt. 2019 war knapp jeder vierte Fernzug verspätet.

Champion in der Disziplin „planlos reagieren“ ist aber fraglos die CDU. Das Video des 26-jährigen Youtubers Rezo, kein holder Knabe im lockigen Haar, sondern ein junger Mann mit blauem Schopf, der kurz vor der Europawahl mit der CDU und ein bisschen auch mit der SPD abrechnete, wurde millionenfach geklickt. Es veranlasste die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, laut über Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit im digitalen Raum nachzudenken. Ein Antwortvideo des ebenfalls 26-jährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Philip Amthor, schon rein äußerlich die Antithese zu Rezo, wurde angekündigt und dann doch nicht gesendet. Neuland eben.

Das ganze Jahr über heizte Fridays for Future der Politik ähnlich ein wie die Erderwärmung – mit der Wissenschaft an ihrer Seite sowie immer mehr Unternehmen, die klimaneutral zu werden versprechen. Und siehe da, schließlich schnürte auch die Bundesregierung ein Klimapaket. Großes Tamtam, kleines Paket. Nach Verhandlungen mit den Grünen, die in elf Landesregierungen sitzen und daher auch im Bundesrat ein Wörtchen mitzureden haben, wurde immerhin kurz vor Weihnachten noch etwas nachgebessert. Das Klima wird die Welt auch 2020 und darüber hinaus beschäftigen.

Aber nicht nur dafür kämpften Menschen 2019. In Hongkong, Nahost, Lateinamerika, im Sudan, in Polen und Ungarn, in Malta, der Slowakei und Frankreich, in Italien, zeitweilig sogar in Russland und der Türke gingen sie auf die Straße. Für Freiheit und Demokratie, soziale Gerechtigkeit und bessere Löhne, gegen Korruption, Willkür, Fremdenfeindlichkeit und Hass. Sie setzen Freiheit, Unversehrtheit und sogar ihr Leben aufs Spiel. Wenige haben zu viel, viele haben zu wenig. Nicht nur materielle Sicherheit, sondern auch grundlegende und selbstverständliche Rechte.  

Deutschland dagegen leistet sich nicht nur ein Klimapaket, sondern sogar eine mit Vollgas vor die Wand gefahrene Maut. Sie und ich, wir hängen auch mit drin. Wird teuer. Wie, Verkehrswende? Haben wir doch: E-Scooter, SUVs und volle Züge. Und hat nicht die Kanzlerin in der Fragestunde des Parlaments gerade erst gesagt, sie finde, „dass der Andy Scheuer eine sehr gute Arbeit macht“? Vielleicht war sie zum Scherzen aufgelegt oder in vorweihnachtlicher Spiellaune. Damit alle anwesenden Abgeordneten mitmachen können, hat sie auf ein Ratespiel zurückgegriffen, für das man keinerlei Hardware braucht. Es heißt: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“

Mich sehen Sie auch nicht, jedenfalls nicht mehr in diesem Jahr. Ich lege ein zweiwöchiges Päuschen ein und bin am 10. Januar zurück. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine wunderbare Zeit.

Und den Menschen ein Wohlgefallen

Kerstin Eitner
Redakteurin

PS: Das Jahr soll nicht ohne Liebeserklärung enden: an die Biene. Das Bienen-Set mit Buch, Honig und Blumensaat jetzt eine Woche 20 Prozent reduziert.

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